Kurzfassung

Eine Wärmepumpe funktioniert auch im Altbau — vorausgesetzt fünf Bedingungen sind erfüllt. Vorlauftemperatur unter 55 °C bei Auslegungsbedingungen, ausreichend dimensionierte Heizkörper, eine Hülle mit Heizlast unter 100 W/m², ein Stromzähler mit mindestens 32 A pro Phase und ein zulässiger Aufstellort mit Schallschutz. Wer drei oder mehr Punkte nicht erfüllt, sollte mit der Heizung warten, bis die Hülle saniert ist. Wer alle erfüllt, bekommt eine Wärmepumpe, die im Bestand JAZ über 3,5 erreicht — das ist das wirtschaftliche Minimum.

Bedingung 1: Vorlauftemperatur unter 55 °C bei Auslegungsbedingungen

Die Vorlauftemperatur ist die wichtigste Zahl der Altbau-Wärmepumpe. Jedes Grad über 55 °C senkt die Jahresarbeitszahl um etwa 0,1 Punkte. Bei 65 °C Vorlauf ist die JAZ kaum noch über 2,5 — dann fressen die Stromkosten den Förder-Vorteil auf.

So prüfen Sie Ihre aktuelle Vorlauftemperatur: schauen Sie an einem Tag mit Außentemperatur unter 0 °C auf das Heizungs-Display. Sie sollte zwischen 50 und 70 °C liegen. Liegt sie über 55 °C, müssen Sie entweder Heizflächen vergrößern oder die Hülle dämmen, bevor die Wärmepumpe kommt.

Praxis-Trick: Nachtabsenkung weglassen

Wer im aktuellen Gas-System die Nachtabsenkung deaktiviert und auf konstante Solltemperatur fährt, fährt typisch 3 bis 5 °C niedriger Vorlauf. Probieren Sie das eine Woche aus — wenn Sie damit warm bleiben, ist Ihr Haus wärmepumpen-tauglich.

Bedingung 2: Heizkörper-Größen

Niedrige Vorlauftemperatur funktioniert nur, wenn die Heizflächen groß genug sind. Faustregel für Altbau-Heizkörper:

Heizkörper-Tausch kostet typisch 250 bis 450 Euro pro Heizkörper (inklusive Montage). Bei 8 bis 10 Heizkörpern im Reihenhaus also 2.500 bis 4.500 Euro — gut investiert, weil JAZ-Plus von 0,4 bis 0,8 die Stromkosten über 15 Jahre um mehrere tausend Euro senkt.

Bedingung 3: Dämmstand und Heizlast

Die spezifische Heizlast (Watt pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche) ist die Effizienz-Kennzahl der Hülle. Faustwerte:

GebäudezustandSpezifische HeizlastWP-tauglich?
Neubau Effizienzhaus 5530 – 50 W/m²ideal
Sanierter Altbau (Hülle gedämmt, Fenster neu)50 – 80 W/m²gut
Teilsanierter Bestand (Dach neu, Fassade alt)80 – 110 W/m²grenzwertig
Ungedämmter Altbau (vor 1980)120 – 180 W/m²erst nach Sanierung

Die genaue Heizlast berechnet der Energieberater nach DIN EN 12831. Wer sie nicht kennt, kann grob über den Jahres-Gasverbrauch schätzen: Gasverbrauch in kWh geteilt durch 2.500 ergibt die Heizlast in kW. Ein Haus mit 25.000 kWh Gas-Verbrauch hat also etwa 10 kW Heizlast. Geteilt durch beheizte Quadratmeter ergibt die spezifische Heizlast.

Bedingung 4: Stromzähler und Hausanschluss

Wärmepumpen brauchen Strom — und zwar nicht zu knapp. Eine 8-kW-Luft-Wärmepumpe zieht beim Anlauf kurzfristig 6 bis 8 kW elektrisch, im Dauerbetrieb 1,5 bis 3 kW. Drei Anforderungen:

Bedingung 5: Aufstellort und Schallschutz

Luft-Wärmepumpen brauchen einen Aufstellort an der Fassade mit ausreichend Abstand. Bayerische Bauordnung verlangt:

Wer ein Reihenhaus mit knappen Abständen hat, sollte vor Bestellung ein Schallschutz-Gutachten machen lassen (Kosten 350 bis 700 Euro). Spätere Nachbarschafts-Klagen sind selten, aber teurer.

Selbst-Test in 15 Minuten

Diese sechs Fragen beantworten 80 Prozent der Wärmepumpen-Tauglichkeit. Wenn Sie 5 oder 6 mit "Ja" beantworten, ist Ihr Altbau wärmepumpen-tauglich:

  1. Bleibt mein Haus bei Vorlauftemperatur 55 °C auch im Januar warm? (Test mit Heizkurven-Reduktion eine Woche)
  2. Sind die Heizkörper in den großen Räumen mindestens 1,2 m² Heizfläche pro 20 m² Wohnfläche?
  3. Liegt mein Gasverbrauch unter 200 kWh pro m² Wohnfläche pro Jahr?
  4. Hat mein Hausanschluss 32 A pro Phase (in den Hausunterlagen oder beim Netzbetreiber erfragen)?
  5. Habe ich an der Fassade Platz für die WP-Außeneinheit (60×40 cm Stellfläche) mit mindestens 3 m Abstand zur Nachbarsgrenze?
  6. Ist Platz im Heizraum für Pufferspeicher (300 – 500 l) und Warmwasserspeicher (300 l)?

FAQ — kurze Antworten

Funktioniert eine Wärmepumpe auch im völlig ungedämmten Altbau?

Technisch ja, wirtschaftlich nein. Eine WP läuft im ungedämmten Bestand mit JAZ unter 2,5 — das verbraucht so viel Strom, dass die Betriebskosten die Förder-Ersparnis auffressen. Erst dämmen, dann WP einbauen.

Was kostet ein professioneller Heizlast-Check?

Ein Heizlast-Berechnung nach DIN EN 12831 kostet beim Energieberater oder Heizungsbauer 450 bis 800 Euro. Sie ist ohnehin Pflicht für den KfW-458-Antrag — also keine Zusatzkosten, wenn Sie ohnehin sanieren.

Können Hybrid-Heizungen (Gas + WP) das Altbau-Problem lösen?

Hybrid-Systeme decken den Spitzenbedarf mit Gas und die Grundlast mit WP. In ungedämmten Altbauten klingt das verlockend — wird aber von KfW-458 schlechter gefördert als reine WP-Lösungen. Außerdem verlängert es die Gas-Abhängigkeit und damit die CO₂-Preis-Risiken bis 2035.

Funktioniert eine Sole-Wasser-Wärmepumpe im Altbau besser?

Sole-Wasser-WPs (Erdsonde) haben eine konstantere Quellentemperatur als Luft-WPs und erreichen typisch JAZ 4,2 bis 4,8 — auch im Altbau. Anschaffung mit Erdsondenbohrung kostet aber 12.000 bis 18.000 Euro mehr als Luft-WP. Lohnt sich erst ab 130 m² Wohnfläche.

Quellen und weiterführende Links