Bauphysik

Heizgrenztemperatur

Außen-Temperatur, ab der ein Gebäude nicht mehr beheizt werden muss — typisch 12-15 °C im Bestand, 8-10 °C im Niedrigenergie-Haus.

Die Heizgrenztemperatur ist die Außen-Temperatur, bei der ein Gebäude bei den vorgegebenen Innen-Bedingungen (typ. 20 °C) ohne aktive Heizung auskommt. Solar-Gewinne, innere Wärme-Lasten (Personen, Geräte, Beleuchtung) gleichen die Wärme-Verluste durch die Hülle aus.

Typische Heizgrenztemperaturen: - Passivhaus: 8-10 °C - Niedrigenergie-/Effizienzhaus 55: 10-12 °C - Bestand mit guter Dämmung: 12-13 °C - Bestand mit mittlerer Dämmung: 13-15 °C - Unsanierter Altbau: 15-17 °C

Praktische Bedeutung: Für Heizungs-Auslegung: Anzahl der „Heiztage" und „Gradtagzahl" bestimmen den Jahres-Wärme-Bedarf. Bei niedrigerer Heizgrenze sinkt der Jahres-Verbrauch deutlich. Beispiel: 5 °C niedrigere Heizgrenze halbiert die Heiztage von ca. 250 auf 125 pro Jahr.

Für PV+Wärmepumpe: Bei hoher Heizgrenze (Bestand) deckt die PV-Anlage einen größeren Teil der Heizungs-Last über Mittag ab, weil die Sonnenstunden in der Übergangs-Saison Heizungsbedarf decken können.

Für Sanierungs-Planung: Eine Sanierung der Hülle senkt die Heizgrenze. Dies multipliziert sich mit der Vorlauftemperatur-Senkung zu spürbaren Effizienz-Verbesserungen der Wärmepumpe.

Berechnung: Wärme-Verlust pro K Temperatur-Differenz und Stunde × Heizstunden = jahres-Heiz-Bedarf. Mit Innen-Solltemperatur (20 °C) und Heizgrenze ergeben sich die effektiven Heizstunden — auf Bayern bezogen typisch 1.500-2.500 Stunden pro Jahr je nach Gebäude.

Beispiel aus der Praxis

Bestandshaus 1970er-Jahre, Heizgrenze 14 °C. Nach Sanierung mit WDVS + Fenster + Dach-Dämmung: Heizgrenze 11 °C. Jahresheizverbrauch sinkt von 24.000 kWh auf 12.000 kWh. Spart pro Jahr ~1.500 € (mit Gas-Heizung).